Hohe Erwartungen an deutsch-polnische Beziehungen

Porta Polonica eröffnet neue Zugänge zur Geschichte und Kultur der Polen in Deutschland

Eine polnische Apotheke in Berlin, die Biografie des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, das polnische Fußballertrio des BVB, das Hambacher Fest von 1831 - Beispiele für Orte, Menschen und Ereignisse, die zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland gehören. Einen neuen Zugang dazu eröffnet das Internetportal Porta Polonica (www.porta-polonica.de). Seit einem Jahr arbeitet die Dokumentationsstelle zur Geschichte und Kultur der Polen in Deutschland am ersten Modul: einem digitalen Atlas der Erinnerungsorte. Die interaktive Karte mit den ersten 25 Einträgen ist jetzt fertig und wurde am 12. Juni 2014 im Rahmen der Tagung "25 Jahre nach der Wende - wo stehen wir heute? Deutsch-polnischer Partnerschaftstag 2014" im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund freigeschaltet.

Auf Einladung des Generalkonsulats der Republik Polen in Köln, des Instituts für Europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (IPZ) sowie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) trafen sich in Dortmund rund 150 Vertreter von deutschen und polnischen Organisationen zu Gesprächen über Stand und Perspektiven der Partnerschaftsarbeit. Eröffnet wurde die Tagung mit Grußworten des Generalkonsuls der Republik Polen in Köln, Jan Sobczak, der LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale und des IPZ-Vorsitzenden Dr. Christoph Müllerleile.

Müllerleile erinnerte daran, dass es in Deutschland derzeit offiziell 577 deutsch-polnische Kommunalpartnerschaften gibt, die die Verbindungen zwischen beiden Ländern an der Basis nachhaltig vertiefen. Wie das in der Praxis aussieht stellten anhand von Sprachprojekten Peter Steil vom Städtepartnerschaftskomitee der Gemeinde Nottuln e.V. - Abteilung Chodziez vor, mit Beispielen aus der Jugendarbeit Günter Pabst  vom Arbeitskreis Schwalbach-Olkusz und Dr. Barbara Rüschoff-Thale als Vertreterin des LWL anhand von Partnerschaften von Museen, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen vor.

Porta Polonica schließt Wissenslücken

Auf das größte Medieninteresse stießen aber das neue Portal und die Dokumentationsstelle zur Geschichte und Kultur der Polen in Deutschland. "Ziel unserer Dokumentationsstelle ist es, die Orte der vielfältigen Kultur und der wechselvollen Geschichte der Polen in Deutschland sichtbar zu machen, ein neues Bewusstsein für deren Bedeutung in Europa zu schaffen und ein Forum für den Austausch über Erinnerung, Geschichte, Identität und Kultur herzustellen. Der Start des Internetportals ist ein erster großer Schritt auf diesem Weg", erklärte Dr. Günter Winands, Abteilungsleiter bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)  beim Partnerschaftstag in Dortmund. Generalkonsul Jan Sobczak wertete die Freischaltung als "Ereignis, das schon in kurzer Zukunft selbst einen wichtigen Platz im Atlas der Geschichte und Kultur der Polen einnehmen wird".

Józef Malinowski, Vorsitzender des Bundes der Polen in Deutschland, sieht in der Porta Polonica einen wichtigen Baustein, um Wissenslücken in der gemeinsamen Geschichte und Kultur zu schließen. Und LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch ergänzte: "Das Projekt ist ein Stück Pionierarbeit. Wir schlagen mit dem Internetportal ein völlig neues Kapitel in der systematischen Erfassung und Darstellung dieses spannenden Teils unserer Geschichte auf."

Der Altas der Erinnerungsorte wird sukzessive um neue Einträge ergänzt. "Unser Ziel ist es, die bedeutendsten Erinnerungsorte der Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland der ganzen Gesellschaft zu präsentieren und zur Reflexion darüber sowie zu weiteren Forschungen einzuladen", so Dr. Jacek Barski, Leiter der Dokumentationsstelle. In den kommenden zwei Jahren werden neben dem Atlas weitere Module im Internet realisiert: Eine Enzyklopädie der deutsch-polnischen Geschichte soll über eigene Einträge sowie Verknüpfungen zu digital erfassten Beständen an Universitäten und Forschungseinrichtungen umfangreiche Recherchen erlauben. Außerdem sind Online-Ausstellungen zu ausgewählten Themen aus der Geschichte und Kultur der Polen in Deutschland geplant. Über eine eigene Facebook-Seite soll ein Austausch aller am Thema Interessierten stattfinden.

Hochkarätig besetzter Partnerschaftstag

Grußworte beim Partnerschaftstag sprachen auch Dr. Piotr Piotrowski, Direktor des Büros des Beauftragten des polnischen Premierministers für den internationalen Dialog, Władysław Bartoszewski, und Thorsten Klute, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW. Unter den Gästen der Tagung sah man auch die Vorsitzenden der NRW-Polen Parlamentariergruppe im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Werner Jostmeier, und der Deutsch-Polnischen Geselllschaft Dortmund, Axel Schäfer MdB, und die IPZ-Vorstandsmitglieder Johannes Henßen aus Geilenkirchen und Michael Krüger aus Neu Wulmsdorf. Krüger moderierte auch das Forum „Partnerschaft in der Praxis“. Bei einer vom stellvertretenden Generalkonsul Jakub Wawrzyniak moderierten Podiumsdiskussion setzten sich Milena Karabaic, Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Rheinland, Tomasz Badowski von der Abteilung für europäische Politik im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen, Dr. Przemysław Łebzuch als Vertreter der Woiwodschaft Opole in Rheinland-Pfalz und Michael Lingenthal von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Köln-Bonn mit Errungenschaften und Herausforderungen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit auseinander.

Das Programm wurde begleitet von einer Poster-Präsentation Best Practice, einem Informationsstand des Deutsch-Polnischen Jugendwerks und zahlreich ausgelegtem Informationsmaterial.

Die offizielle Freischaltung von „Porta Polonica“ unter anderen durch  Józef Malinowski (3. v.l.), Vorsitzender des Bundes der Polen in Deutschland, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, Dr. Günter Winands, Abteilungsleiter bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Generalkonsul Jan Sobczak und Dr. Jacke Barski (rechts). Foto: DW/B.Cöllen

Die Praktiker: Offene Gesprächsrunde mit Impulsreferaten zur Jugendarbeit von Günter Pabst, zu Sprachprojekten von Peter Steil und zu Partnerschaften von Museen, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen Dr. Barbara Rüschoff-Thale. Moderator Michael Krüger. Foto: PWP Kunert

Programm des Deutsch-Polnischen Partnerschaftstags

Grußwort von Władysław Bartoszewskiwski, Bevollmächtigte des polnischen Premierministers
für den internationalen Dialog


Bericht über die Freischaltung von Porta Polonica

Die Veranstaltung wurde gefördert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.