Deutsch-polnische Partnerschaften ausbaufähig

Vertreter der Verschwisterungsvereine aus Gedern und Schotten und Gederns Bürgermeister Klaus Bechtold nahmen am 25. und 26. Oktober 2013 im polnischen Polanów an einer deutsch-polnischen Multiplikatoren-Konferenz des IPZ teil. Im Mittelpunkt stand die Zukunft europäischer Beziehungen.

"Die Partnerschaften von Kommunen und die Verbindungen zwischen deren Menschen sind die Grundlage für die Zukunft Europas", umriss der stellvertretende Landrat des Kreises Koszalin, Andrzej Lestniewicz, bei der Eröffnung das Kernthema der zweitägigen Konferenz, die unter dem Motto stand "Ein Europa der Vielfalt und Toleranz fördern - aktive Unionsbürgerschaft in Ost- und Westeuropa".

Zwei Tage lang diskutierten 50 Teilnehmer über die Möglichkeiten, die Beziehungen zwischen Menschen aus Ost- und Westeuropa auszubauen und zu festigen. Die Grundlage für den Austausch bildete unter anderem ein Vortrag des Vorsitzenden des Verschwisterungsvereins Gedern-Polanów und Mitglied des IPZ-Vorstands, Wolfgang Kunert, zum Thema "Wir müssen reden, Europa". Er wies dabei auf die Bedeutung der Kommunikation hin. Als wichtigstes Bindeglied nannte er die Städtepartnerschaften. Sie bildeten mit ihren vielfältigen Kontakten die Basis dafür, dass Europa funktioniert. Mit Blick auf die Europawahl im Mai 2014 unterstrich er, die Politik müsse begreifen, dass Politik auf europäischer Ebene sich nicht von den Menschen abkoppeln dürfe. Politik müsse täglich in den Gesprächen auf allen Ebenen präsent sein. "Nur durch die aktive Teilnahme der Menschen kann die europäische Integration vertieft werden," betonte Kunert. Die Europäer hätten dazu im Mai 2014 durch ihre Stimmabgabe die Möglichkeit.

Mit Blick auf Polen und Deutschland kritisierte er, dass beide Länder mit ihrer geringen Wahlbeteiligung keine Vorbilder seien. Vor dem Hintergrund von aktuell 571 deutsch-polnischen Städtepartnerschaften sollten sich die Zahlen von 2009 - 28,4 Prozent Wahlbeteiligung in Polen und 42,2 Prozent in Deutschland - im Mai 2014 positiver entwickeln, sagte Kunert.
Gederns Bürgermeister Klaus Bechtold wies in den Diskussionen darauf hin, dass es Aufgabe der Politik sei, die Rahmenbedingungen für Städtepartnerschaften zu schaffen. Wichtig für die Festigung und den Ausbau der Beziehungen sei der Schüleraustausch. Die Direktorin des Gymnasiums in Polanów, Aleksandra Kalinowska, stimmte zu, forderte aber gleichzeitig mehr Engagement der Schulen. Schülervertreter sprachen sich für die Intensivierung des Schüleraustausches aus. Gleichzeitig wünschten sie sich mehr private Kontaktmöglichkeiten mit Jugendlichen aus der Partnerstadt. Polanóws stellvertretender Bürgermeister Piotr Gorniak hielt dem entgegen, dass man bei den Partnerschaften die demografische Entwicklung nicht aus dem Blick verlieren dürfe. Die Bevölkerung altere zusehends. Daher müssten auch die Senioren stärker in die Städtepartnerschaften eingebunden werden. Wie das erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigte der Vorsitzende des Verschwisterungsvereins Schotten, Hans Otto Zimmermann, auf. Er schilderte die positive Entwicklung der sechs Partnerschaften Schottens, darunter eine mit der polnischen Stadt Ozimek.

Zum Abschluss der zweitägigen Konferenz, an der auf Einladung des IPZ neben den Vertretern des Verschwisterungsvereins aus Gedern, Harald Haack, Kurt Heusohn und Ralf Bartikowski, auch der Bürgermeister von Polanów, Grzegorz Lipski, das Mitglied des Senats der Republik Polen, Senator Piotr B. Zientarski, der Vizemarschall der Woiwodschaft Westpommern, Andrzej Jakubowski, und der Präsident des Kreises Koszalin, Dariusz Kalinowski, teilnahmen, waren sich alle einig, dass die Menschen mehr miteinander reden müssen. Vor allem müsse generationsübergreifend über die Erwartungen und Wünsche gesprochen werden. Dafür müsse die Politik in Absprache mit den Bürgern auf allen Ebenen die Rahmenbedingungen schaffen und Gelder zur Verfügung stehen. Dazu gehöre auch die finanzielle Unterstützung durch die verschiedenen Förderprogramme der EU.
Die Kürzung der EU-Zuschussmittel für Bürgerbegegnungen war bei der Konferenz ein wichtiges Thema. Die Teilnehmer forderten in ihrem Resümee, dass die partnerschaftlichen und friedlichen Begegnungen von Menschen nicht am Geld scheitern dürften.

Bericht: Kreis-Anzeiger für Wetterau und Vogelsberg vom 30. Oktober 2013

Die Konferenzleitung in Polanów hatten (von rechts nach links) Dariusz Kaliniowski, Andrzej Lestniewicz, Marijke Mulder, Grzegorz Lipski, Klaus Bechtold und Wolfgang Kunert.

Einige der Teilnehmer der Konferenz von Polanów.

Fotos und Text Wolfgang Kunert, PWP Kunert & Kunert GbR