"In kleinen Kommunen ist das Herz für Polen größer"

Dass aus "anfänglicher Verliebtheit" nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Laufe der Jahre "innige Freundschaften" zwischen den Menschen in Deutschland und Polen entstanden sind, unterstrich der Vizekonsul des Generalkonsulats der Republik Polen in Köln, Jakub Wawrzyniak, während einer Deutsch-Polnischen Fachtagung am 28. November 2013 im Wappensaal des Gederner Schlosses.

Bürgermeister Klaus Bechtold und der Vorsitzende des Verschwisterungsvereins Gedern-Polanów und Vorstandsmitglied des IPZ, Wolfgang Kunert, hießen mehr als dreißig Teilnehmer willkommen.

Wawrzyniak betonte in seinem Referat, dass es immer noch wichtig sei, "Kopfbarrieren" zu lösen und Vorurteile abzubauen. Das erreiche man am besten durch Besuche in den Nachbarländern. Er plädierte dafür, sich bei Besuchen und Begegnungen ein Bild von den Menschen, deren Sitten und Kultur zu machen. "In kleinen Kommunen ist das Herz für Polen größer als in den Großstädten", gab der Vizekonsul seine persönliche Erfahrung wieder.

Er appellierte, Jugendliche aktiv in deutschpolnische Partnerschaften einzubinden. Zudem sollten Familien ihre Ferien nicht nur in typischen Urlaubsländern im Süden verbringen, sondern auch mal nach Polen reisen, um Land und Leute kennenzulernen. "Wir sind in einer Zeit angekommen, in der die Pflege der Partnerschaft und Freundschaft wichtig ist und man über neue Wege nachdenken muss, damit die Menschen sich besser kennenlernen", schloss Wawrzyniak.

Thomas Bartosch, Ländervertreter des Deutsch-Polnischen Jugendwerks in Hessen, informierte über Handlungsbereiche, Arbeitsfelder und Förderungsmöglichkeiten. Im Verlauf der Tagung hatten die Teilnehmer zudem Gelegenheit, über den aktuellen Stand ihrer Städtepartnerschaften zu berichten, Erfahrungen auszutauschen sowie über Erfolge und Herausforderungen zu diskutieren. Um in Kontakt zu bleiben, wurde angeregt, auf regionaler Ebene in Arbeitskreisen Probleme zu diskutieren.
Wie Wolfgang Kunert im Gespräch mit dem "Kreis-Anzeiger für die Wetterau" berichtete, begrüßten die Tagungsteilnehmer insbesondere die Erläuterungen zur Jugendförderung. Es sei jetzt möglich, dass die Schulen selbst beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk Anträge auf Fördermittel für den Schüleraustausch stellen und alle eingehenden Anträge auch genehmigt werden. Diese Information werde er an die Gesamtschule Gedern weitergeben. Die Tagung habe ihn zudem in seinem Wirken als Vorsitzender des Verschwisterungsvereins Gedern-Polanów bestärkt. Denn die teilweise bestehenden Verständigungsschwierigkeiten seien kein spezielles Problem zwischen Gedern und Polanów, sondern ein generelles Problem. Das könne bei den gegenseitigen Freundschaftsbesuchen durch Patenschaften gelöst werden.
Text und Bild Kreis-Anzeiger für Wetterau und Vogelsberg vom 3. Dezember 2013


Dr. Christoph Müllerleile (Vorsitzender des IPZ), Thomas Bartasch. Wolfgang Kunert, Konferenzleiterin Marijke Mulder, Jakub Wawrzyniak und Klaus Bechtold während der Tagung in Gedern. Foto: Hennecke