Die Zukunft der Partnerschaften zwischen Ost- und Westeuropa III

Gemeinsam können wir Probleme leichter lösen

IPZ-Europakonferenz in Torun – Tadeusz Zwiefka: „Wir wollen nicht, dass sich die Vergangenheit auf die Zukunft auswirkt“


Toruń (red)
. Die Zukunft der Partnerschaften zwischen Ost- und Westeuropa war das beherrschende Thema der dritten Europakonferenz des Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (IPZ) in Kooperation mit der polnischen Stadt Torún und dessen deutscher Partnerstadt Göttingen. Die Konferenz, die am 7. und 8. Juni im stattfand, führte dank zahlreicher Redebeiträge und Informationen durch die Teilnehmer zu sehr engagierten Diskussionen. Gastredner war am ersten Tag der Veranstaltung der polnische Europaabgeordnete aus Stettin, Tadeusz Zwiefka.


Neben ihm nahm auch der stellvertretende Präsident der Stadt Torún, Zbigniew Rasielewski, an der Veranstaltung teil. Er begrüßte in Vertretung des Bürgermeisters die Konferenzteilnehmer. Für das IPZ hieß Vorstandsmitglied Wolfgang Kunert die insgesamt 43 Vertreter von Kommunen, Schulen oder Partnerschaftsorganisationen aus Deutschland und Polen willkommen. Die Leiterinnen der Konferenz, IPZ-Geschäftsführerin Anna Noddeland und ihre Kollegin Marijke Mulder konnten auch die städtische Beauftragte für internationale Zusammenarbeit Ewa Banaszczuk-Kisiel sowie die Leiterin des Referats für Öffentlichkeitsarbeit, Malgorzata Lewandowska, im Ratssaal des historischen Rathauses von Torún begrüßen.

Noddeland gab zu Beginn der Konferenz einen kurzen geschichtlichen Rückblick. Sie erinnerte dabei vor allem an den Kniefall von Willi Brandt am 7. Dezember 1970 am Ehrenmal der Helden des Ghettos in Warschau am Tag vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages. Diese Demutsgeste des damaligen Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland war der Beginn der Ost-West Aussöhnung. Heute sei es die Jugend, die die Fackel Europas mit dem Gedanken „wir wollen zueinander, wir wollen miteinander“ weiter tragen muss. Damit brachte sie gleichzeitig das Schwerpunktthema der Konferenz zum Ausdruck. Denn in allen weiteren Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, dass gerade das Thema Jugend in den deutsch-polnischen Partnerschaften eine bedeutende Rolle spielt.

Was auch der Europaabgeordnete in seiner sehr engagierten und emotionalen gehaltenen Rede deutlich machte. Zwiefka unterstrich aber auch, dass er die Reden von Gegnern des Beitritts von Polen in die EU unter dem Titel „Unsinn“ abheftet. Gerade vor dem Hintergrund der Krise seien die Reden der Gegner Europas als „Blödsinn“ abzustempeln. „Wir wollen nicht, dass sich die Vergangenheit auf die Zukunft auswirkt.“

Wichtiger sei es gemeinsam zu versuchen eine Antwort auf die Frage zu erhalten, wie wir aus dieser Krise herauskommen. Der wichtigste Grundstein für die Lösung seien aber die Partnerschaften der Bürgerinnen und Bürger. „Kommunale Partnerschaften sind die Grundsteine für die Europäische Gemeinschaft.“ Derzeit stehe die Suche nach gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Zielen im Vordergrund sämtlicher Aktivitäten. Dabei müsse die Politik immer berücksichtigen, dass die Idee der Europäischen Union kein Konstrukt der Regionen, sondern der Partnerschaft der Städte sei.

      

Dieses System funktioniere allerdings nur mit finanzieller Unterstützung durch die EU. Das Jahr 2013 sei das Jahr schwieriger Verhandlungen über die Förderprogramme für die Jahre 2015-2020. Zwiefka führte aus, dass Brüssel deutlich erkennen lasse, dass man die Problematik der Städte immer weniger wahrnehme. Mit Blick auf die bisherigen Förderprogramme zum Beispiel für Bürgerbegegnungen in Städtepartnerschaften, Netzwerken oder anderen Projekten, die von der EU finanziell unterstützt wurden, zeigte sich der Abgeordnete allerdings zuversichtlich. „Wir sind zwar sehr spät dran, aber ab 2014 wird es bestimmte finanzielle Mittel geben, um die Rolle der Städte zu stärken.“ Auch wenn die Debatten über die Aufstellung des Programms für 2014 bis 2020 derzeit etwas anderes vermuten lassen würden. Abschließend fordert er eine zielorientierte Planung, gerade auch im sozialen Bereich. „Das europäische Parlament weiß auch nicht alles, es muss mit denen Reden die vor Ort wissen, was los ist. Partnerschaft muss von unten aufgebaut und nicht aufgezwungen werden.“

Mit Blick auf Europa insgesamt erklärte der EU-Abgeordnete abschließend, dass es kaum nachvollziehbar sei, dass es in Europa Regionen mit großer Arbeitslosigkeit gibt und gleichzeitig ein erheblicher Fachkräftemangel besteht. Gleichzeitig verwies er auf das Problem der offenen Grenzen. Man rede heute verstärkt über Sozialmigration und vor diesem Hintergrund auch darüber, Grenzen wieder zu schließen, um zu verhindern, dass man in anderen Staaten Sozialhilfe zu Unrecht bezieht. „Daran muss gearbeitet werden und das vor allem auf europäischer Ebene“, schloss Zwiefka seine Ausführungen.

Nach diesem sehr informellen und anregenden Beitrag des EU-Abgeordneten trafen sich die Konferenzteilnehmer in verschiedenen Workshops. Neben dem zum Thema „das europäische Jahr der Bürgerinnen und Bürger“ und dem zum Thema Europäer – Unionsbürger stand der Workshop mit dem Titel „Jugendprojekte fördern –aber wie?“ im Fokus der Konferenzteilnehmer. Hier wurden die vielfältigsten Aktivitäten unter dem Aspekt der Beteiligung der Jugend an der Partnerschaft diskutiert. Der krönende Abschluss des ersten Tages war ein gemeinsames Abendessen in entspannter Atmosphäre. Hier zeigte sich wiederholt die gute Zusammenarbeit in der Vorbereitung der Konferenz zwischen den Mitarbeiterinnen des IPZ und Malgorzata Lewandowska auf Torúner Seite.

Was sich auch am zweiten Tag zeigte. Hier stand vor allem die Präsentation der Arbeit des deutsch-polnischen Jugendwerkes im Vordergrund. Dessen Vertreter, dem Leiter des Förderreferats schulischer Austausch Jarek Brodowski, gab interessante Einblicke in die Arbeit und Geschichte dieser am 17. Juni 1991 gegründeten Einrichtung. Auch der Beitrag der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit wurde mit Aufmerksamkeit von den Anwesenden verfolgt. Was auch für die Präsentation der Partnerschaft zwischen den Kommunen Gedern (Deutschland) und Polanow (Polen) zutraf. Der Vorsitzende des Verschwisterungsvereins Gedern-Polanow e. V., Wolfgang Kunert, berichtete über die erst seit zehn Jahren bestehende Partnerschaft und deren Entwicklung. Dabei richtete er den Fokus seiner Präsentation auf die in die Partnerschaft eingebundenen Beziehungen der Schulen und Feuerwehren.

Noddeland und die Vertreterinnen der Stadt Torun sowie die Konferenzteilnehmer insgesamt zeigten bei der Evaluierung der Konferenz sehr zufrieden über den Verlauf der Veranstaltung und deren Ergebnisse. So konnten die Teilnehmer nicht nur neue Informationen mit nach Hause nehmen, sondern es wurden zahlreiche neue Kontakte geknüpft und interessante Einblicke in die Partnerschaftsarbeit anderer Kommunen oder Vereinen gewonnen.

Einige Konferenzteilnehmer posierten mit der Europaflagge
vor dem Nikolaus Kopernikus Denkmal im Stadtzentrum.



Die Konferenz wurde mit finanzieller Unterstützung der EU aus dem
Programm Europa für Bürgerinnen und Bürger durchgeführt.